Jede Liebschaft lebt von Geheimnissen. Und manche sind so geheim, dass es nicht mal einen Namen dafür gibt. Zum Beispiel meine geheime Kennzahlenliebe, die ich mangels einer offiziellen Bezeichnung „Cookie Jar Ratio“ getauft habe, also Keksdosenquotient 🍪 (und wer immer diese Kennzahl unter einem „richtigen“ Namen kennt, möge das gern in den Kommentaren ergänzen!).

 

Es gibt Keksdosen in der Bilanz, nämlich in den Rückstellungen. Zumindest in der englischen Literatur zu Bilanzpolitik gibt es die „Cookie Jar Reserve“ (Keksdosenrückstellung).

 

Im Rechnungswesen sind Rückstellungen Verbindlichkeiten (Schulden), die in ihrem Bestehen oder in der Höhe ungewiss sind, aber mit hinreichend großer Wahrscheinlichkeit erwartet werden und somit als Position in der Bilanz gebildet werden (und bei der Bildung den Gewinn reduzieren)💰.

 

Haben Sie die schönsten Worte entdeckt? Für Finanz-Gourmets sind es „ungewiss“ und „Wahrscheinlichkeit“. Das heißt im Klartext Spielraum für die kreativen Konstruktivisten unter den Bilanzierern. Und öffnet viel Raum für  Subjektivität in objektiven Kennzahlen.

Beispiel gefällig? Ein anhängiges Gerichtsverfahren, bei dem ich im besten Fall bei Freispruch nichts zahle, im schlimmsten Fall bei einer Verurteilung 4 Mio. Euro plus alle Gerichtskosten, sagen wir also in Summe 5 Mio. Euro. Vielleicht einige ich mich aber auch außergerichtlich bei einem Vergleich auf 500.000 Euro.

 

Ich behaupte: Sie können in der Bilanz des Unternehmens jeden Wert zwischen 0 und 5 Mio. Euro finden. Vielleicht hat das Unternehmen ein gutes Jahr und stellt sicherheitshalber 5 Mio. Euro zurück, das nächste Jahr könnte ja schwierig werden, also lieber rechtzeitig drauf schauen, dass man‘s hat, wenn man‘s braucht. Und schon klingelt es in der Keksdose! 🥫 Im nächsten Jahr hat man dann ein Urteil mit einer Teilschuld von 1 Mio. Euro und kann 4 Mio. Euro aus der Keksdose nehmen. 💸

 

Deshalb liebe ich den Keksdosenquotienten.

Für den Keksdosenquotienten bereinige ich das EBIT um den Einfluss Rückstellungsveränderungen und dividiere durch den originalen EBIT. Der Quotient zeigt mir, wie stark der EBIT durch Rückstellungsbewegungen beeinflusst ist und macht vor allem in einer Zeitreihe Spaß.

Zusätzlich ist es noch interessant zu sehen, wie viel des Rückstellungsbestandes jährlich gebildet oder „aufgefressen“ wird. Für das „Krümelmonster“ dividiere ich die Rückstellungsveränderung durch den Rückstellungsbestand und sehe so, welcher Prozentsatz der Rückstellungen jährlich dazu- oder wegkommt.

 

Und für alle, denen das jetzt zu viel Bilanzanalyse war: Keks holen!

 

 

Wie kann ihre Finanzorganisation mehr zur Wertschöpfung beitragen?

 

Unternehmen sind im Wandel. Zahlen sind aus unserem Unternehmensalltag nicht wegzudenken. Wissen Sie ob ihre Finanzorganisation zu ihrem aktuellen Geschäftsmodell passt? Ob sie das operative Business bei der Wertschöpfung bestmöglich unterstützt? Und kennen Sie ihre finanziellen Stärken und Schwächen?